Frau Ben Hadj hatte mich zu einem Interview geladen. Sie studiert an der International School of Management in Frankfurt und schreibt dort eine Bachelorarbeit zum Thema “Social Media in der Immobilienbranche – Bewertung der Notwendigkeit einer Präsenz”. 

1) Ist im Allgemeinen Ihrer Meinung nach mit Social Media eine Revolution im gesamten Unternehmen passiert?

Social Media verändert definitiv die Schnittstellen zwischen Unternehmen und Umwelt – und kann deshalb auch an verschiedenen dieser Schnittpunkte zu Einsatz kommen, sei es in der Unternehmenskommunikation, im Marketing, beim Kundendienst, in der Produktentwicklung etc. Durch diesen transparenteren Austausch mit der Umwelt kann und soll das natürlich auch wieder einen Einfluss auf das Unternehmen, seine Prozesse und Kultur haben. Eine Revolution ist es meines Erachtens nicht, viel eher eine Evolution und Ergänzung zum bestehenden Kommunikations- und Marketingmix.

2) Können Unternehmen in der heutigen Zeit noch Marketing durchführen, ohne das Instrument Social Media zu nutzen?
Natürlich können Unternehmen das tun – ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Die meisten Unternehmen können über die sozialen Medien Ihre Zielgruppe ansprechen und mit Ihr in einen Dialog treten, und zwar einfacher als die über die klassischen Kanäle möglich ist. Nichtsdestotrotz, am Ende des Tages ist es für Unternehmen auch wichtig, Umsatzzahlen zu sehen. Deshalb muss man sich sehr gut überlegen, wie man mit den sozialen Medien umgehen will und was man sich davon verspricht. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, eine Weile zu experimentieren – aber irgendwann muss man dann auch messbare Resultate vorweisen können.

3) Wo sehen Sie den Fokus für Unternehmen die im Social Media Bereich auftreten (Facebook, Xing, Youtube…)?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt immer von den Umständen ab. Es kann auch sein, dass es eine Community außerhalb der großen Netzwerke ist, die für ein Unternehmen perfekt passt (bspw. ein Spezialistenforum).

Um herauszufinden, wo ein Unternehmen aktiv sein sollte, habe ich die sog. ZEMM-MIT-Methode entwickelt. Dieser Prozess führt ein Unternehmen im Detail an die passenden Plattformen und Netzwerke heran.

Quelle: ZEMM-MIT-Methode von Reto Stuber, (siehe http://socialmediabuch.com/presse/ für Bild-Download)

Aber frei nach Pareto: in 80% der Fälle sind vor allem im B2C Bereich die großen Netzwerke die richtigen Orte, um präsent zu sein. Im B2B Bereich haben sich vor allem XING und LinkedIn als die wichtigsten Player etabliert.

4) Welche Tools sind Ihrer Meinung nach von großer Bedeutung für Immobilienunternehmen für die Präsenz von Unternehmen im Social Media Bereich?
Das wichtigste Tool ist sicherlich die eigene Webseite. Diese sollte „sozialisiert“ werden, sprich mit sozialen Funktion wie Facebook Gefällt mir- und Twitter Tweet-Button ausgestattet werden.

Dann sollte man versuchen, interessierte Leute auf die Seite zu kriegen, indem relevante Inhalte über verschiedene Social Media Kanäle publiziert werden. Natürlich kann der Dialog und die Beratung auch direkt in den sozialen Kanälen erfolgen.

Für das Management der eigenen Präsenz bietet sich ein Tool wie Tweetdeck.com oder Hootsuite.com an, womit sich auch das Monitoring bewerkstelligen lässt. Auch sehr praktisch, um auf dem Laufenden zu bleiben, wenn jemand über das eigene Unternehmen spricht: http://google.de/alerts.

5) Sehen Sie mehr Risiken für Unternehmen als für Privatpersonen im Social Media Bereich?
Das hängt vom Einzelfall ab. Der Stromanbieter TelDaFax hat zum Beispiel 1 Jahr lang unbemerkt auf Facebook hantiert, bevor sich das Blatt gewendet hat – siehe http://www.indiskretionehrensache.de/2011/02/teldafax-facebook. Grundsätzlich lassen sich die Risiken im Vornherein abschätzen und bewerten, und man kann ja auch Szenarien planen, was man bei einem Eintreten machen will.

6) Wie sollten Unternehmen mit negativer Kritik umgehen die durch Social Media sehr öffentlich wird?
Man sollte diese professionell und transparent adressieren. Fehler müssen eingestanden werden, „nobody is perfect“. Vor allem muss man auch daraus lernen und die Dinge besser machen. Jede Kritik ist eine Chance, sich als Unternehmen zu profilieren. Der Reaktionsprozess unter http://www.goldbachinteractive.com/aktuell/fachartikel/social-media-starter-kit kann da eine gute Hilfestellung leisten.

Quelle: Weiterentwickelte Form des Blog-Assessement-Prozesses der US Navy -Mike Schwede, Goldbach Interactive.

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Reto Stuber

Reto Stuber ist Schweizer und lebt in New York. Er ist Autor des Bestsellers „Erfolgreiches Social Media Marketing mit Facebook, Twitter, XING und Co.“ . Sein Unternehmen bietet Social Media Dienstleistungen für deutsche und internationale Kunden in den Bereichen Online Marketing und soziale Medien an.

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